Niedrigwasser am Rhein: VBI fordert Tempo beim klimaresilienten Ausbau der Wasserstraßen
An der für die Rheinschifffahrt wichtigen Engstelle bei Kaub wurden Ende Juli nur noch 25 Zentimeter gemessen. Damit erreichte der Pegel bereits zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt das Niveau des bisherigen niedrigsten Tagesmittelwerts aus dem Jahr 2018. Frachtschiffe können infolge der geringen Fahrrinnentiefe nur noch einen Teil ihrer möglichen Ladung transportieren. Die Transportkosten steigen, Lieferketten geraten unter Druck.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über die Binnenschifffahrt hinaus. Der Rhein ist eine der wichtigsten europäischen Transportachsen für Rohstoffe und Massengüter wie Getreide, Erze, Kohle, Mineralien und Ölprodukte. Erste Industrieunternehmen prüfen bereits, Transporte auf Straße, Schiene oder Pipelines zu verlagern. Diese Verkehrsträger können die großen Gütermengen der Binnenschifffahrt jedoch vielfach weder kurzfristig noch vollständig übernehmen.
VBI-Hauptgeschäftsführer Sascha Steuer erklärt:
„Das Niedrigwasser am Rhein ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern ein erneuter Stresstest für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Kurzfristiges Krisenmanagement kann helfen, die Transportlage zu stabilisieren. Entscheidend ist aber, unsere Wasserstraßen dauerhaft klimaresilient zu machen. Die zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen müssen verstätigt, alle neuen Möglichkeiten aus den Beschleunigungsgesetzen voll ausgeschöpft und Entscheidungen in der Verwaltung schneller getroffen werden. Deutschlands Ingenieurinnen und Ingenieure stehen bereit, die notwendigen Maßnahmen zu planen und zügig in die Umsetzung zu bringen.“
Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer hat angesichts der Lage eine nationale Taskforce und eine Befassung der Verkehrsministerkonferenz mit dem Niedrigwasser gefordert. Zugleich drängt er darauf, bereits vereinbarte Vorhaben wie den Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln weiterzuführen. Ein baureifer Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf könne derzeit aufgrund fehlender Mittel nicht umgesetzt werden.
Aus Sicht des VBI darf die aktuelle Debatte allerdings nicht bei einzelnen Sofortmaßnahmen stehen bleiben. Notwendig ist ein langfristiges Zukunftsprogramm für klimaresiliente Bundeswasserstraßen. Dazu gehören die bedarfsgerechte Anpassung von Fahrrinnen, die Sanierung und der Ersatzneubau von Schleusen, Wehren und Brücken sowie leistungsfähige Hafen- und Hinterlandanbindungen. Gleichzeitig müssen ökologische Anforderungen und die Folgen des Klimawandels von Beginn an in die Planung einbezogen werden.
Dass der Bund ab 2027 auch den Erhalt der Wasserstraßen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität finanzieren will, ist ein wichtiger Schritt. Für 2027 sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums rund 1,7 Milliarden Euro für die Wasserstraßen vorgesehen. Entscheidend ist nun, dass die Mittel dauerhaft verlässlich bereitstehen und schnell in eine belastbare Projekt- und Planungspipeline überführt werden.
„Wir brauchen nicht nur mehr Geld, sondern auch ausreichend Planungskapazitäten und klare Prioritäten“, betont Steuer. „Nur wenn Projekte frühzeitig vorbereitet und durchgängig finanziert werden, können aus politischen Ankündigungen tatsächlich funktionierende, leistungsfähige und klimaresiliente Wasserstraßen werden.“
Der VBI fordert daher, die Anpassung der Bundeswasserstraßen an zunehmende Niedrigwasserperioden als zentrale Aufgabe der Infrastrukturpolitik zu behandeln. Verlässliche Wasserstraßen sind nicht nur für die Logistik und die Industrie unverzichtbar. Sie sind zugleich Voraussetzung dafür, mehr Güter klimafreundlich zu transportieren und Straße und Schiene dauerhaft zu entlasten.




