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Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen: VBI fordert einen gemeinsamen Datenraum für die Infrastruktur

14. September 2026 | Positionspapier zeigt, wie belastbare Daten Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung der Bundesfernstraßen effizienter machen können – und welche Voraussetzungen der Masterplan des Bundes dafür schaffen muss.

Der Digitale Zwilling gilt als Schlüssel für eine leistungsfähigere Infrastruktur. Sein Potenzial reicht weit über die modellbasierte Planung hinaus: Er kann Entscheidungen im gesamten Lebenszyklus von Bundesfernstraßen fundierter machen, von der ersten Planung über Bau und Betrieb bis zur Erhaltung. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gemeinsamer Datenraum mit belastbaren Informationen und klaren Regeln für deren Nutzung. Mit einem neuen Positionspapier bringt sich der Verband Beratender Ingenieure VBI in die Diskussion um den Masterplan „Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen“ des Bundesministeriums für Verkehr ein. Das Papier beschreibt, welche Voraussetzungen aus Sicht der Planungspraxis geschaffen werden müssen, damit der Digitale Zwilling sein Potenzial tatsächlich entfalten kann.

Der Begriff „Digitaler Zwilling“ wird häufig mit Building Information Modeling (BIM) gleichgesetzt. Aus Sicht des VBI greift diese Betrachtung jedoch zu kurz. BIM liefert wichtige digitale Modelle und bildet damit einen wesentlichen Baustein. Ein Digitaler Zwilling entsteht jedoch erst dann, wenn Informationen aus Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung kontinuierlich miteinander verknüpft und mit den realen Zuständen der Infrastruktur rückgekoppelt werden. Neben BIM gehören dazu unter anderem Geodaten, Bestandsinformationen sowie Betriebs-, Zustands- und Sensordaten. Erst dieser fortlaufende Informationsaustausch schafft die Grundlage für belastbare Entscheidungen.

„Ein Digitaler Zwilling entfaltet seinen Nutzen nicht durch möglichst viele Daten, sondern durch deren Qualität und intelligente Verknüpfung. Entscheidend ist, dass Informationen aus Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung über den gesamten Lebenszyklus zusammengeführt werden. Dafür braucht es ein belastbares Datenfundament, offene Standards und einen gemeinsamen Datenraum. Nur so entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für eine leistungsfähige und zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur.“

Prof. Dr. Steffen Warmbold, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter Grundsatzthemen des VBI

In der Praxis sind die notwendigen Informationen zwar vielfach vorhanden, sie liegen jedoch häufig in unterschiedlichen Formaten, Systemen und Datenräumen vor. Daten werden projektbezogen erzeugt, nach Abschluss eines Vorhabens jedoch nur selten dauerhaft für den Betrieb weitergenutzt. Wissen bleibt dadurch an einzelne Dateien oder Projekte gebunden, statt über den gesamten Lebenszyklus einer Infrastruktur verfügbar zu sein. Aus Sicht des VBI liegt die zentrale Herausforderung deshalb weniger in der Erhebung neuer Daten als vielmehr in ihrer standardisierten, interoperablen und dauerhaft aktuellen Zusammenführung. Entscheidend sind bundesweit einheitliche Datenmodelle, offene Schnittstellen, nachvollziehbare Qualitätsstandards sowie klare Verantwortlichkeiten für Datenpflege und Datenmanagement.

Das Positionspapier zeigt anhand von vier praxisnahen Anwendungsszenarien, welchen Mehrwert ein Digitaler Zwilling bereits heute schaffen kann. Beim Übergang vom Bau in den Betrieb können Informationen dauerhaft erhalten bleiben und Mehrfacherfassungen vermieden werden. In der Bauausführung unterstützt ein Digitaler Zwilling die Synchronisierung von Bauablauf, Logistik und Fortschritt. In der Planung erleichtert er die frühzeitige Bewertung von Konflikten und Varianten, während er zugleich eine fundiertere Entscheidungsgrundlage für Auftraggeber und Behörden schafft. Darüber hinaus verbessert er die Kommunikation komplexer Infrastrukturvorhaben gegenüber Politik, Genehmigungsbehörden und Öffentlichkeit durch verständliche Visualisierungen und eine konsistente Informationsbasis.

Der VBI unterstützt das Ziel eines Digitalen Zwillings Bundesfernstraßen ausdrücklich. Gleichzeitig macht das Positionspapier deutlich, dass dessen Erfolg von verbindlichen Rahmenbedingungen abhängt. Dazu gehören unter anderem ein projektübergreifender Datenraum über den gesamten Lebenszyklus, verbindliche Anwendungsvorgaben für Auftraggeber und Auftragnehmer, offene Standards und Schnittstellen sowie klare Regelungen zu Data Governance und Data Ownership. Ebenso fordert der Verband einen ambitionierten, aber realistisch umsetzbaren Stufenplan und versteht den Masterplan als Dokument, das kontinuierlich weiterentwickelt werden sollte.

Ein Digitaler Zwilling entfaltet seinen Nutzen nicht durch möglichst viele Daten, sondern durch deren Qualität, Aktualität und intelligente Verknüpfung. Für den VBI steht deshalb ein belastbares Datenfundament im Mittelpunkt. Erst wenn Informationen über den gesamten Lebenszyklus einer Infrastruktur konsistent verfügbar sind, können Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung effizienter aufeinander aufbauen und Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden.

Das vollständige Positionspapier „Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen – Eine Perspektive der Beratenden Ingenieure zum Masterplan Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen des BMV“ steht ab sofort zum Download bereit.