Verkehrspolitischer Sommerempfang des VBI: Infrastrukturpolitik zwischen Aufbruch und Umsetzungsdruck
VBI-Präsident Jörg Thiele und der Vorsitzende des VBI-Verkehrsausschusses Jochen Ludewig eröffneten den verkehrspolitischen Sommerempfang mit einem klaren Appell: Die Herausforderungen bei der Modernisierung von Verkehrswegen, Brücken und Schieneninfrastruktur seien bekannt. Nun komme es darauf an, die politischen Entscheidungen konsequent in die Umsetzung zu bringen. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs und der wachsenden Erwartungen an eine leistungsfähige Infrastruktur brauche Deutschland verlässliche Rahmenbedingungen für Planung, Genehmigung und Finanzierung.
Im Anschluss folgte ein Impuls von Ulrich Lange MdB, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr. Er beschrieb die verkehrspolitische Agenda der Bundesregierung und erläuterte die Verwendung der Mittel des Sondervermögens. Insbesondere das Infrastruktur-Zukunftsgesetz soll den Sanierungsstau lösen und endlich schnellere Verfahren ermöglichen. Auch die Umstrukturierung der Autobahn GmbH und der Deutschen Bahn wurden thematisiert, als große Auftraggeber ist die Zusammenarbeit für die Planungsunternehmen von besonderer Wichtigkeit.
In der anschließenden politischen Diskussion mit Michael Donth MdB (CDU/CSU), Swantje Michaelsen MdB (Bündnis 90/Die Grünen) und Stephan Ellerhorst (Sweco GmbH, Mitglied im Vorstand des VBI-Verkehrsausschusses) wurde lebhaft über Beschleunigungspotentiale des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes und die Abwägung zwischen schneller Sanierung und Naturschutzstandards diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Infrastrukturprojekte schneller realisiert werden können, ohne dabei Qualität, Nachhaltigkeit und Akzeptanz aus dem Blick zu verlieren. Moderiert wurde die Diskussion von VBI-Hauptgeschäftsführer Sascha Steuer.
Infrastrukturmodernisierung als Gemeinschaftsaufgabe
Die Diskussion machte deutlich, dass über Parteigrenzen hinweg Einigkeit über den Zustand der deutschen Infrastruktur besteht. Der Sanierungsbedarf bei Straßen, Brücken und Schienenwegen ist erheblich. Gleichzeitig wächst der Druck, zusätzliche Kapazitäten für Mobilität, Wirtschaft und Klimaschutz zu schaffen. Für die Planungsbranche stellt sich dabei nicht allein die Frage nach zusätzlichen Investitionen. Ebenso entscheidend sind stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, die es Ingenieurunternehmen ermöglichen, Personal aufzubauen, Fachkräfte langfristig zu binden und Investitionen in Digitalisierung und Innovation zu tätigen. Der VBI verweist seit Langem darauf, dass leistungsfähige Infrastruktur nur entstehen kann, wenn politische Entscheidungen über Legislaturperioden hinweg Bestand haben und Planungssicherheit schaffen. Langfristige Programme und verlässliche Vergütungsstrukturen sind dafür eine zentrale Voraussetzung.
Beschleunigung braucht mehr als neue Gesetze
Ein Schwerpunkt des Abends war die Frage, wie Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden können. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz wurde dabei als wichtiger Schritt bewertet. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass zusätzliche Maßnahmen notwendig sind, um die gewünschten Effekte tatsächlich zu erzielen.
Aus Sicht des VBI gehören dazu unter anderem eine konsequente Nutzung bestehender gesetzlicher Beschleunigungsinstrumente, die Ausweitung der Genehmigungsfiktion sowie klare Stichtagsregelungen und Maßnahmengesetze. Ziel ist es, Verfahren zu vereinfachen und Planungsprozesse deutlich effizienter zu gestalten. Gerade für Planungsunternehmen ist die Dauer von Genehmigungsverfahren ein entscheidender Faktor. Lange Verfahrenszeiten führen häufig zu Unsicherheiten, erschweren die Ressourcenplanung und verzögern dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen. Die Diskussion zeigte, dass die Politik hier zunehmend Handlungsbedarf erkennt.
Finanzierung langfristig absichern
Neben der Beschleunigung rückte die Finanzierung von Infrastrukturprojekten in den Fokus. Die Teilnehmer waren sich einig, dass zusätzliche Mittel allein nicht ausreichen. Entscheidend sei eine langfristig verlässliche Finanzierungsarchitektur, die Investitionen planbar macht.
Der VBI sieht insbesondere im Sondervermögen Infrastruktur eine wichtige Chance, um notwendige Modernisierungsmaßnahmen schneller umzusetzen. Gleichzeitig fordert der Verband eine Verstetigung der Mittel über mehrere Jahre hinweg. Auch die Möglichkeit einer überjährigen Mittelverwendung sowie zusätzliche Finanzierungsspielräume für die Autobahn GmbH wurden als wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Infrastrukturentwicklung benannt. Für Ingenieurunternehmen ist diese Frage von besonderer Bedeutung. Nur wenn Auftraggeber langfristige Investitionsperspektiven bieten, können Unternehmen ihre Kapazitäten entsprechend ausrichten und qualifizierte Fachkräfte dauerhaft gewinnen.
Digitalisierung und Projektmanagement als Erfolgsfaktoren
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Qualität der Projektabwicklung. Der VBI setzt sich für klare, transparente und digitale Ausschreibungs- und Vergabeverfahren ein. Unklare Anforderungen und häufige Projektänderungen während laufender Planungen führen regelmäßig zu Verzögerungen und steigenden Kosten.
Großes Potenzial sehen die Ingenieurunternehmen weiterhin in der konsequenten Anwendung digitaler Methoden wie Building Information Modeling (BIM). Digitale Planungs- und Steuerungsprozesse können Abläufe beschleunigen, Schnittstellen reduzieren und die Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Planern und Bauunternehmen verbessern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass erfolgreiche Infrastrukturprojekte auch eine bessere Kommunikation nach außen benötigen. Akzeptanz in der Öffentlichkeit entsteht nicht allein durch technische Qualität, sondern auch durch transparente Information und nachvollziehbare Entscheidungen.
Ingenieurkompetenz frühzeitig einbinden
Der Sommerempfang unterstrich zudem die zentrale Rolle der unabhängigen Planungsunternehmen bei der Modernisierung der Infrastruktur. Die im VBI organisierten Ingenieurunternehmen verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Planung komplexer Verkehrsprojekte und stehen im kontinuierlichen Austausch mit Auftraggebern wie der Deutschen Bahn, der Autobahn GmbH des Bundes, Kommunen und Industrieunternehmen.
Aus Sicht des Verbands sollten diese Kompetenzen frühzeitig in politische und administrative Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Viele Herausforderungen der Infrastrukturentwicklung lassen sich nicht allein durch zusätzliche Finanzierung lösen. Ebenso wichtig sind praktikable Verfahren, realistische Zeitpläne und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Infrastrukturpolitik braucht Verlässlichkeit
Der verkehrspolitische Sommerempfang machte deutlich, dass die Modernisierung der Infrastruktur zu den zentralen Zukunftsaufgaben Deutschlands gehört. Für die Planungsbranche bleibt entscheidend, dass auf politische Ankündigungen konkrete Maßnahmen folgen. Beschleunigte Verfahren, langfristige Finanzierungssicherheit, eine zeitgemäße HOAI sowie der konsequente Einsatz digitaler Methoden sind aus Sicht des VBI zentrale Voraussetzungen, damit Infrastrukturprojekte schneller Realität werden. Der Sommerempfang bot dafür nicht nur eine politische Debatte, sondern auch einen wichtigen Impuls für den weiteren Dialog zwischen Politik, Auftraggebern und Ingenieurwirtschaft.
















