VBI zieht Konsequenzen aus neuem DIN-Finanzierungsmodell
Der Verband Beratender Ingenieure VBI wird sich künftig nicht mehr an der Finanzierung der Mitarbeit in kostenpflichtigen DIN-Normungsgremien des Normenausschusses Bauwesen NABau beteiligen. Hintergrund ist das neue Finanzierungsmodell FINA25 des DIN, das nach Einschätzung des VBI und weiterer Organisationen der planenden Berufe zu erheblichen Kostensteigerungen führt und die bisherige breite Beteiligung unabhängiger Planerinnen und Planer nicht mehr ermöglicht.
Dank an die Expertinnen und Experten
Der VBI dankt allen Expertinnen und Experten, die sich bislang in den DIN-Gremien engagiert haben. Ihr fachlicher Einsatz war und ist von großer Bedeutung für eine praxisgerechte und ausgewogene Normung im Bauwesen. Gerade Beratende Ingenieurinnen und Ingenieure bringen die Erfahrung aus Planung und Umsetzung ein, die für praxistaugliche Normen unverzichtbar ist.
Jörg Thiele, VBI-Präsident: „Normung darf nicht zu einem geschlossenen System werden. Wer Normen in der Praxis anwendet, muss auch an ihrer Entstehung angemessen mitwirken können. Beratende Ingenieurinnen und Ingenieure stehen für unabhängige fachliche Expertise, für Praxistauglichkeit und für die Qualität des Planens und Bauens.“
Neues Finanzierungsmodell verändert die Rahmenbedingungen
Im Vorfeld der Entscheidung hatten VBI, Bundesingenieurkammer, Bundesarchitektenkammer und weitere betroffene Organisationen intensive Gespräche mit dem DIN geführt. Ziel war es, ein tragfähiges Modell zu erhalten, das weiterhin eine angemessene Beteiligung der planenden Berufe ermöglicht. Diese Gespräche führten jedoch nicht zu einer Lösung. Die neuen Beitragsstrukturen lassen nach gemeinsamer Bewertung keine ausreichende Finanzierung einer breiten Zahl unabhängiger Planerinnen und Planer zu.
Nach Auffassung der beteiligten Organisationen ist dies nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine fachliche Frage. Normen haben erhebliche Bedeutung für die tägliche Arbeit von Planerinnen und Planern. Deshalb wäre aus Sicht des VBI eine stärkere Beteiligung der anwendernahen Fachpraxis erforderlich. Das neue Finanzierungsmodell droht hingegen, die Zahl der mitwirkenden unabhängigen Planerinnen und Planer zu begrenzen und damit das Gewicht anderer interessierter Kreise, insbesondere von Produktherstellern, weiter zu erhöhen.
Beteiligung der Planer höher gewichten
Auch die Bundesingenieurkammer bedauert die Entwicklung. BIngK-Präsident Dr.-Ing. Heinrich Bökamp macht deutlich: „Wir bedauern diese Entwicklung sehr und hätten uns gewünscht, dass das DIN der Beteiligung der Planer bei der Normungsarbeit einen höheren Stellenwert beigemessen hätte.“
Bereits heute ist die Mitarbeit in den NABau-Gremien kostenpflichtig. Der Kostenbeitrag liegt aktuell bei 1.320 Euro pro Normungsgremium. Bislang konnten über bestehende Strukturen zahlreiche Expertinnen und Experten ohne zusätzliche individuelle Kosten in die Gremien entsandt werden. Mit FINA25 ist diese Form der breiten Beteiligung nach Einschätzung der Organisationen nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Ausgewogene Normung bleibt gemeinsames Ziel
Der VBI bedauert diese Entwicklung ausdrücklich. Normung braucht die Mitwirkung derjenigen, die Normen in der Praxis anwenden. Gleichzeitig muss diese Mitwirkung so organisiert sein, dass sie wirtschaftlich tragbar bleibt und die verschiedenen interessierten Kreise ausgewogen vertreten sind. Eine persönliche Weiterarbeit einzelner Expertinnen und Experten in DIN-Gremien bleibt grundsätzlich möglich. Sie erfolgt künftig jedoch individuell und ohne institutionelle Finanzierung durch den VBI. Die Teilnahme ist dann eigenständig zu organisieren.
VBI setzt sich weiter für praxistaugliche Normung ein
Der VBI wird sich weiterhin für eine planer- und anwenderfreundliche Ausgestaltung der Normungsarbeit einsetzen. Ziel bleibt eine Normung, die technische Qualität sichert, Innovation ermöglicht und in der Praxis handhabbar bleibt. Dazu gehört auch, die bestehenden Strukturen kritisch zu überprüfen und gemeinsam mit Politik, Kammern, Verbänden und DIN Wege zu finden, wie unabhängige Planerinnen und Planer wieder angemessen in die Normungsarbeit eingebunden werden können.




