Vision & Konstruktion: Tragwerksplanung zwischen Neubau und Bestand
Eine historische Brücke instand setzen, ein Hochhaus weiterentwickeln oder unterschiedliche Baustoffe zu einem Tragwerk verbinden: Die Aufgaben der Tragwerksplanung reichen weit über die Berechnung von Lasten und Bauteilen hinaus. Sie prägt, wie Bauwerke gestaltet, errichtet und langfristig genutzt werden können. Dieser Vielfalt widmete sich das Symposium Tragwerksplanung „Vision & Konstruktion“, das am 9. Oktober im Georg-Neumann-Saal des Jazz-Instituts Berlin an der Universität der Künste stattfand.
Die Veranstaltung richtete sich an Fachleute und Studierende aus Bauingenieurwesen und Architektur. Ihr Ausgangspunkt war die konstruktive Ingenieurbaukunst: die Entwicklung von Tragwerken, in denen technische Anforderungen, Materialeigenschaften und architektonische Ideen zusammenfinden. Damit rückte neben den Herausforderungen der Branche auch die Faszination für das Entwerfen und Konstruieren in den Blick.
Neue Konstruktionen und der Wert des Bestands
Das Programm verband nationale und internationale Projekte. Die Rathausbrücke Tuttlingen stand für die Potenziale des Holzbetonverbundbaus, das Projekt Atlassian Central Sydney für den Einsatz von Holz- und Hybridkonstruktionen im Hochhausbau. Beiträge zur Ingenieurkunst mit Naturstein und zur Planung und zum Bau des Elbtowers in Hamburg ergänzten das Spektrum.
Die Wahl des Materials ist dabei mehr als eine technische Detailentscheidung. Sie beeinflusst das Tragwerk, seine Ausführung und den Ressourcenbedarf. Im konstruktiven Entwurf liegen deshalb wesentliche Möglichkeiten, den Materialeinsatz zu verringern und Bauwerke auf eine langfristige Nutzung auszurichten.
Auch der Umgang mit bestehenden Bauwerken gehörte zum thematischen Rahmen. Das Programm umfasste historische Betoninstandsetzungen, die Instandsetzung der König-Ludwig-Brücke von 1848 und die Revitalisierung eines Hochhauses in Wolfsburg. Solche Aufgaben verlangen, vorhandene Konstruktionen genau zu verstehen und ihre weitere Nutzung mit veränderten Anforderungen in Einklang zu bringen.
Nachhaltiges Bauen verlangt andere Planungsprozesse
Klimawandel, begrenzte Ressourcen und steigende Anforderungen verändern die Bedingungen des Bauens. Zugleich wirft der Einsatz Künstlicher Intelligenz neue Fragen für die Planung auf. Das Symposium griff damit auch die Frage auf, welche Rolle menschliches Können und Urteilsvermögen in einer zunehmend von KI geprägten Arbeitswelt spielen.
Ein zentraler Gedanke betraf den Zusammenhang von Bauweise und Planung: Der Wandel zu klima- und ressourcenschonendem Bauen verlangt auch eine grundlegende Veränderung der Planungsprozesse. Nachhaltigkeit, technische Innovation und Gestaltung müssen bereits im Entwurf zusammengeführt werden. Das Potenzial eines Tragwerks lässt sich nur nutzen, wenn Materialwahl, Konstruktion und Ausführung gemeinsam betrachtet werden.
Bei aller Veränderung bleibt das Bauen eine kreative und gemeinschaftliche Aufgabe. Ingenieurtechnisches Können und gestalterische Ambition prägen die Qualität eines Bauwerks ebenso wie die eingesetzten Werkzeuge. Diese Verbindung gehört zum Kern der Baukultur – und gab dem Symposium über die einzelnen Projekte hinaus seinen Zusammenhang.
Der VBI dankt allen Mitwirkenden für ihre Beiträge und die gemeinsame Gestaltung der Veranstaltung.






















