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MINT-Frühjahrsreport 2026: Fachkräftemangel bremst Bau, Infrastruktur und Klimaschutz

06. Mai 2026 | Der neue MINT-Frühjahrsreport 2026 zeigt: Trotz schwacher Konjunktur bleibt die Fachkräftelücke in den MINT-Berufen erheblich. Besonders angespannt ist die Lage in den Bauberufen sowie in den Ingenieur- und Planungsberufen rund um Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur. Der VBI fordert deshalb eine entschlossene MINT-Offensive.

Der MINT-Frühjahrsreport 2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft macht deutlich: Der Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland. Im März 2026 waren bundesweit rund 369.400 Stellen in MINT-Berufen unbesetzt. Gleichzeitig waren 274.130 Personen arbeitslos gemeldet, die eine Tätigkeit in einem MINT-Beruf suchen. Werden Unterschiede bei Qualifikation und Anforderungsniveau berücksichtigt, ergibt sich daraus eine aggregierte MINT-Fachkräftelücke von 133.900 Personen.

Für die Planungs- und Baubranche ist der Befund besonders alarmierend: Die Bauberufe zählen mit einer Lücke von 26.400 Fachkräften zu den drei größten Engpassfeldern im MINT-Bereich. Während die MINT-Lücke insgesamt gegenüber dem Vorjahr zurückging, stieg sie in den Bauberufen sogar um 900 Personen.

„Der MINT-Frühjahrsreport ist ein klares Warnsignal: Der Fachkräftemangel im Bau ist kein abstraktes Zukunftsproblem, sondern ein konkretes Umsetzungs- und Investitionshemmnis. Ohne ausreichend Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Fachkräfte in Vermessung und Gebäudetechnik sowie qualifizierte Planerinnen und Planer bleiben Wohnungsbau, Brückensanierung, Schulbau, Schienenausbau und Energiewende auf dem Papier. Deutschland braucht jetzt eine verlässliche MINT-Offensive – von der Schule über die Hochschule bis zur qualifizierten Zuwanderung – und politische Rahmenbedingungen, die Planungsbüros entlasten statt ausbremsen“, sagt Sascha Steuer, Hauptgeschäftsführer des VBI.

Auch die Beschäftigungszahlen zeigen die hohe Bedeutung der Bau- und Planungsberufe. Im dritten Quartal 2025 waren 254.525 Personen in der Kategorie „Ingenieurberufe Bau, Vermessung und Gebäudetechnik, Architekten“ sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Hinzu kamen 71.795 Spezialistinnen und Spezialisten sowie 34.936 Fachkräfte in Bau, Vermessung und Gebäudetechnik. Zusammen sind das mehr als 361.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Berufsfeldern, die für Planung, Bau, Betrieb und Modernisierung von Infrastruktur unverzichtbar sind.

Die Entwicklung seit 2012 unterstreicht den wachsenden Bedarf zusätzlich: Die Beschäftigung in den Ingenieurberufen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik einschließlich Architektur stieg bis zum dritten Quartal 2025 um 56,2 Prozent. Bei den Spezialistenberufen lag der Zuwachs bei 23,4 Prozent, bei den fachlich ausgerichteten Berufen bei 12,9 Prozent.

Für den VBI ist klar: Beratende Ingenieurinnen und Ingenieure stehen an der Schnittstelle zwischen politischen Zielen und praktischer Umsetzung. Klimaanpassung, Dekarbonisierung, Digitalisierung des Bauens, Sanierung der Bestandsinfrastruktur, moderne Gebäudetechnik und leistungsfähige Vermessung sind ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte nicht zu stemmen. Der Fachkräftemangel gefährdet damit nicht nur einzelne Projekte, sondern die Leistungsfähigkeit der gesamten Infrastruktur.

Aus Sicht des VBI braucht es deshalb ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Wirtschaft, Schulen und Hochschulen – von einer frühzeitigen und praxisnahen MINT-Bildung über mehr Sichtbarkeit für Bauingenieurwesen, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur bis hin zu besseren Rahmenbedingungen für Frauen in technischen Berufen, dem Ausbau beruflicher und akademischer Weiterbildung sowie schnelleren, digitalisierten Verfahren für qualifizierte Fachkräfteeinwanderung.

„Wer bauen, sanieren, digitalisieren und die Infrastruktur modernisieren will, muss die dafür notwendigen Köpfe gewinnen“, so Steuer. „Die Ingenieurunternehmen und Planungsbüros sind bereit, ihren Beitrag zu leisten. Jetzt braucht es eine Fachkräftestrategie, die Planungskapazitäten als Schlüsselressource für Deutschlands Zukunft begreift.“

Quelle: MINT-Frühjahrsreport 2026, Arbeitsmarktbericht „Beschäftigungsperspektiven in MINT“, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, 05.05.2026.