Konjunkturumfrage 2026 unter Ingenieur- und Architekturbüros
Die angekündigten Investitionen in Infrastruktur treffen bislang auf eine Planungswirtschaft, deren wirtschaftliche Lage weiter angespannt ist. Das zeigt die aktuelle bundesweite Konjunkturumfrage unter Ingenieur- und Architekturbüros. Im Auftrag von VBI, Bundesingenieurkammer, Bundesarchitektenkammer und AHO haben IW Consult sowie Reiß & Hommerich die wirtschaftliche Situation der Branche untersucht. Insgesamt beteiligten sich 4.859 Architektur- und Ingenieurbüros – deutlich mehr als im Vorjahr. Für die Ingenieurbüros ergibt sich dabei ein differenziertes Bild: Die Auftragsbestände sind noch vergleichsweise stabil, gleichzeitig nimmt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung zu.
Auftragslage wird volatiler
Im zweiten Halbjahr 2025 verzeichneten 37 Prozent der Ingenieurbüros einen Rückgang ihrer Auftragslage. Bei 30 Prozent nahm sie dagegen zu. Damit haben sowohl positive als auch negative Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zugenommen – die Auftragslage wird volatiler. Auch der Blick nach vorn bleibt verhalten: 26 Prozent der befragten Ingenieurbüros rechnen 2026 mit einem weiteren Rückgang ihrer Aufträge. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche Auftragsbestand bei 11,3 Monaten und damit noch leicht über dem Vorjahreswert von 11,1 Monaten. Der stabile Auftragsbestand darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Entwicklung für viele Unternehmen schwerer planbar geworden ist.
Besonders kleine Büros blicken mit Sorge nach vorne
19 Prozent der Ingenieurbüros bewerten ihre wirtschaftliche Lage zu Beginn des Jahres 2026 als schlecht oder eher schlecht. Besonders zurückhaltend fällt die Einschätzung unter anderem bei Büros aus, die in der Tragwerksplanung und der Planung von Verkehrsanlagen tätig sind. Positiver ist die Stimmung bei Ingenieurbüros in der Objektplanung von Ingenieurbauwerken. Branchenübergreifend befürchten fünf Prozent der befragten Büros, ihren Betrieb in den kommenden Monaten einstellen zu müssen; weitere 14 Prozent beurteilen ihre Zukunft als ungewiss. Vor allem kleine Büros mit weniger als zehn Mitarbeitenden schätzen ihre Perspektiven kritisch ein. Das ist nicht nur für die einzelnen Unternehmen relevant. Leistungsfähige und wirtschaftlich stabile Planungsbüros sind eine Voraussetzung dafür, dass die anstehenden Aufgaben bei Infrastruktur, Wohnungsbau und Energiewende überhaupt umgesetzt werden können.
Regulatorik und gestörte Projektabläufe bremsen
Als wesentliche Hemmnisse nennen Ingenieur- wie Architekturbüros regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und den wirtschaftlichen Abschwung. Die Ergebnisse machen damit deutlich: Zusätzliche Finanzmittel allein reichen nicht aus. Investitionen müssen verlässlich in konkrete Projekte überführt werden. Dazu braucht es planbare Projektabläufe, angemessene Rahmenbedingungen und Verfahren, die Planung ermöglichen, statt Kapazitäten durch unnötige Komplexität zu binden.
Sondervermögen muss zu zusätzlichen Projekten führen
Aus Sicht des VBI ist insbesondere entscheidend, dass die zusätzlichen Mittel für die Infrastruktur tatsächlich bei den Projekten und damit auch bei den planenden Unternehmen ankommen. Dazu erklärt VBI-Präsident Jörg Thiele: „Bislang kommt das Sondervermögen in den Ingenieurbüros nicht an. So wird die Infrastruktur in Deutschland in den kommenden drei Jahren nicht spürbar besser. Wir fordern eine echte Zusätzlichkeit der Mittel, damit endlich mehr Schienen und Straßen saniert werden können. Dafür müssen anstelle des Verschiebebahnhofs relevante Kürzungen im Kernhaushalt erfolgen.“
Der VBI fordert deshalb eine echte Zusätzlichkeit der Mittel, damit mehr Schienen und Straßen saniert werden können. Die Konjunkturumfrage zeigt damit auch, wie eng Investitionspolitik und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Planungsbranche zusammenhängen: Erst wenn aus Finanzierungszusagen verlässlich vorbereitete und beauftragte Projekte werden, können Ingenieurbüros ihre Kapazitäten langfristig sichern und weiterentwickeln.
Ergebnisse der Umfrage im Detail: VBI-Onlineveranstaltung am 28. August
Was die Ergebnisse für Ingenieur- und Planungsbüros konkret bedeuten, erläutert VBI-Hauptgeschäftsführer Sascha Steuer am Freitag, 28. August 2026, von 10:00 bis 11:00 Uhr in einer Onlineveranstaltung.
Unter dem Titel „Auswertung der Umfrage zur wirtschaftlichen Lage von VBI, AHO, Bundesingenieurkammer und Bundesarchitektenkammer 2026“ werden unter anderem die wirtschaftliche Lage nach Bürogröße und Ausrichtung, die Auftragsbestände 2025 und 2026, Kündigungen und Leistungszurückstellungen sowie die zentralen Probleme und Herausforderungen näher betrachtet. Die Teilnahme erfolgt online; eine Anmeldung ist bis zum Veranstaltungsbeginn möglich.
Termin: Freitag, 28. August 2026, 10:00–11:00 Uhr
Format: Online




