Bachelor / MasterVon Bachelor, Master und Dipl.-Ing.

Alles begann mit der Selbstverpflichtung der europäischen Bildungsminister aus dem Jahre 1999 – allgemein als Bologna-Reform bezeichnet. Das Papier sah ursprünglich vor, ein einheitliches System von Leistungspunkten (Credits) an Universitäten und Fachhochschulen zu etablieren, das den Wechsel von Hochschule zu Hochschule erleichtern sollte.

Die VBI-Forderung nach einheitlichen Bildungsstandards und Vegleichbarkeit der Abschlüsse an den Hochschulen scheint dem nur auf den ersten Blick zu widersprechen: Denn was „Bologna“ angerichtet hat, ist von Vereinfachung und Einheitlichkeit weit entfernt.

Qualitätsstandards und Vergleichbarkeit

Der VBI fordert einheitliche, qualitativ hohe Ausbildungsstandards und die Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse. Beides ist aufgrund der zerfaserten Bildungslandschaft und der Selbstbestimmung der Hochschulen nicht ohne weiteres gegeben. Aber sollte deshalb der in Hamburg ausgebildete „Bachelor of Engineering“ Probleme haben in Süddeutschland im Planungsbüro zu arbeiten? Es ist in der Diskussion, ob die Bachelor-Abschlüsse überhaupt die erforderliche Berufsfähigkeit der Absolventen garantieren. Viele VBI-Mitglieder bezweifeln das.

Das im Jahr 2009 von allen Akteuren der Bauwirtschaft entwickelte Leitbild Bau, betont, dass die gesamte Wertschöpfungskette Bau auf allen Ebenen – Ingenieure, Architekten, Facharbeiter – von der Ausbildung der einzelnen Fachkräfte abhängt. Gleichzeitig verweist das Leitbild deutlich darauf, dass die sechssemestrigen Bachelor-Abschlüsse mitnichten berufsbefähigend ausbilden.

Ein weiteres Alarmzeichen ist die Abbruchquote in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern, die seit der Bologna-Reform stark gestiegen ist. „Zertifizierter Studienabbruch“ und „selektierender Durchlauferhitzer“ sind Synonyme für den Bachelor-Studiengang.

Master als Regelabschluss?

Im letzten Jahr des Reformprozesses ist die Diskussion in vollem Gange und zeigt, dass alle dazugelernt haben. Die Quotierung der Master-Studienplätze steht genauso in der Kritik wie die unterschiedliche Dauer der Ausbildung zum Bachelor.

Die TU9, ein Verbund der Technischen Universitäten, der zusammen fast die Hälfte aller Ingenieure ausbildet, fordern nun selbst eine Reform der Reform. Der Master solle der Regelabschluss werden und der Titel „Diplomingenieur“ erhalten bleiben.

Der Dipl.-Ing als Marke

Der VBI will den Erhalt der Marke „Diplomingenieur“. Es wäre unsinnig, den internationales Renommee genießenden Titel „Dipl.-Ing.“ abzuschaffen.

Nein, es geht nicht um Master vs. Diplomingenieur! Nach jahrelangen Querelen geht nun doch beides. 2012 kommen die ersten Master-Absolventen von den Unis. Die meisten werden auch den Dipl.-Ing. auf ihren Urkunden finden. Qualitätssicherung impliziert für den VBI aber, den Titel nur von Universitäten und Hochschulen verleihen zu lassen.

Sollte dies alles gewährleistet sein, ist die Diskussion um eine „Professional Card“ für Ingenieure hinfällig. Denn im In- und Ausland genießt der Dipl.-Ing. hohes Ansehen. Und dabei sollte es bleiben.

Für den VBI ist und bleibt die qualifizierte und qualitätssichernde Ingenieurausbildung zentrales Thema. VBI-Präsident Dr.-Ing. Volker Cornelius ist seit April 2010 Vorstandsmitglied des ASBau Akkreditierungsverbund für Studiengänge des Bauwesens und setzt sich für einheitliche Qualitätsstandards, die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und den Erhalt der Marke „Dipl.-Ing.“ ein.

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