Fachplaner und ZertifikateFachplaner und Zertifikate

Bereits heute sieht sich der Beratende Ingenieur und unabhängige Planer einer Vielzahl zusätzlicher Zertifizierungsanforderungen gegenüber, die der freien Ausübung seines erlernten akademischen Berufes entgegenstehen. Für alles und jedes schießen Zertifizierungsstellen wie Pilze aus dem Boden. Hier nur zwei Beispiele von vielen:

  • „geprüfter Planer für ökologisches Bauen – TÜV-zertifiziert“
  • „Fachplaner für Barrierefreiheit in Wohn- und Gewerbeimmobilien – TÜV“

Konnte der VBI bisher solche Stilblüten einigermaßen gelassen ignorieren, versuchen nun in jüngster Zeit auch einige Ingenieurkammern den Begriff Fachplaner zu vermarkten. So führen die Ingenieurkammern von Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland einen mehrtägigen Lehrgang zur Verleihung der Fachplaner-Bezeichnung „Nachhaltiges Bauen“ zum Preis von 1.790 Euro € durch.

Diese „neuen Angebote“ treten zu den bereits vorhandenen Fachplaner-Bezeichnungen hinzu, wie z. B.:

  • „Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz“
  • „Fachplaner für Brandmeldeanlagen nach DIN 14675“
  • „Fachplaner Energieeffizienz“
  • „Fachplaner Erneuerbare Energien“
  • „Fachplaner Wärmeschutz“
  • „Fachplaner für Standsicherheit nach Thüringer Bauordnung“
  • „Fachplaner für Holzbau“ etc.

Das sagt der VBI 

Kaum ein Bauherr wird noch durchschauen, was sich konkret hinter solchen Bezeichnungen verbirgt und wie sie sich voneinander abgrenzen bzw. überschneiden. Sollten solche Zertifikate obligatorisch für die Erbringung entsprechender Fachplanerleistungen werden, wird die Anzahl der benötigten Spezialisten unübersehbar, die für Planung und Errichtung von Bauwerken notwendig sind. Sollte die Vergabe dieser Zertifikate von den Kammern als Alleinstellungsmerkmal angestrebt werden, führt dies zu einer Diskriminierung von Nicht-Kammermitgliedern.

Eine Einführung von Nachweisen von Fachplaner-Qualifikationen als Vergabekriterium zöge eine extreme Benachteiligung kleiner und mittlerer Büros nach sich. Zudem ist eine Atomisierung der Projekte zu befürchten, die automatisch eine Verlagerung der Verantwortung auf den Auftraggeber mit sich brächte.

Der VBI wendet sich daher entschieden gegen eine solche Entwicklung, weil

  • nicht das Zertifikat, sondern die tatsächlichen Fähigkeiten eines am Markt operierenden Planungsbüros entscheidend sind, 
  • der notwendige, ganzheitliche Blick des Planers auf das Bauwerk zunehmend untergraben wird,
  • der Bauherr kaum noch den Überblick über die benötigten Fachleute für sein Bauvorhaben behalten kann, 
  • die Gesamtverantwortlichkeit von Planern für einzelne Projektbereiche in Frage gestellt wird,
  • die Erlangung der verschiedensten Fachplanerzertifikate für die Büros kaum noch zu finanzieren sein wird.

Der VBI bejaht eine Spezialisierung, wenn es der Markt verlangt, aber Art und Umfang von Spezialisierung und Qualifizierung sollten die freie Entscheidung von ganzheitlich ausgebildeten, unabhängigen Ingenieuren und ihrer Unternehmen sein.

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